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Nachlese: BDS-Techniktag fand Ende März in Düsseldorf statt

Besser bauen mit Stahlrohren

 
Nicht nur die Rohrproduzenten hatten im vergangenen Jahr mit einem dramatischen Einbruch der Nachfrage zu kämpfen. Betroffen war auch der Handel mit Stahlrohren, der 2009 im Vergleich zum Rekordjahr 2008 um mehr als ein Viertel zurückging. Beim Bundesverband Deutscher Stahlhandel (BDS AG) in Düsseldorf schätzt man nach ersten Hochrechnungen das Handelsvolumen der Mitgliedsunternehmen auf rund 1,25 Mio. Tonnen nach 1,73 Mio. Tonnen in 2008.

Zwar zieht die Nachfrage nach Stahlprodukten wieder an, doch für 2010 rechnet die Branche noch nicht mit einem besonders dynamischen Mengenwachstum. Von Seiten der Kunden wird ein eher moderates Auffüllen der - leeren – Lager erwartet. Die Risiken sind nach Ansicht von Verbandsvertretern dagegen nach wie vor groß: So wird unter anderem befürchtet, dass der beginnende Aufschwung durch Preissteigerungen auf der Rohstoffseite wieder abgewürgt werden könnte. Verstärkt werden die Probleme durch das Bestreben der Rohstoffanbieter, Quartalsverträge statt wie bisher Jahreskontrakte abzuschließen. Ein weiteres Problem ist das anhaltend restriktive Verhalten von Banken und Warenkreditversicherern.

Wenig hilfreich in Sachen Konjunkturerholung war zudem der lange Winter, der die Bautätigkeit beeinträchtigte. Direkt davon betroffen war auch der Stahlhandel, der - so BDS-Vorstand Oliver Ellermann auf dem BDS-Techniktag - im Baubereich seine wichtigste Abnehmerbranche hat. Es verwundert deshalb nicht, das der Verband nach dem erfolgreichen technischen Forum „Rohre und Rohrzubehör“ im Vorfeld der letzten Tube den BDS-Techniktag vor der Tube 2010 unter das Motto „Rohranwendungen unter der Bauproduktenrichtlinie“ stellte.

Die zweite Veranstaltung vor der Tube fand laut Dr. Axel Willauschus, Buhlmann Rohr-Fittings-Stahlhandel GmbH + Co. KG, mitten in der Umstellungsphase von nationalen auf internationale Regelwerke statt. Der Handel sei der wichtigste Dienstleister für die Stahlbaubranche und das runde Stahlbaurohr als geschlossenes Konstruktionselement mit hervorragenden statischen Eigenschaften im Vergleich zum offenen Bauelement im Vorteil.

Technische Regelwerke im Detail
Der erste Block vermittelte einen Überblick über die zu Grunde liegenden technischen Regelwerke wie der Bauproduktenrichtlinie mit der nationalen Bauregelliste B und dem CE-Zeichen. Dipl.-Ing. Volker Hüller vom Deutschen Stahlbau-Verband DSTV und Deutschen Ausschuss für Stahlbau DASt erläuterte unter anderem den Eurocode 3 als Nachfolger der DIN 18800 und die Bauproduktenrichtlinie. Im Stahlbau ist die CE-Kennzeichnung zukünftig verpflichtend, so dürfen alle neu produzierten Rohre nur noch mit CE-Kennzeichnung versehen werden.

Die EN 1090-1 ist eine harmonisierte europäische Produktnorm, die für serienmäßig und nicht serienmäßig hergestellte tragende Bauteile und Bausätze aus Stahl und Aluminium gilt, die als Bauprodukte in Verkehr gebracht werden. Beispielsweise regelt die EN 1090-1 die Freisetzung von gefährlichen Substanzen bei Stahlbauteilen und –Erzeugnissen. Sie dürfen keine radioaktive Strahlung oder Cadmium freisetzen bzw. die am Bestimmungsort geltenden Grenzwerte nicht überschreiten.

Hohlprofilkonstruktionen nach Eurocode 3 waren das Thema von Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Gerhard Sedlacek von der RWTH Aachen. Er betonte, dass Nachhaltigkeit im Bauwesen in den letzten Jahren zu einem wichtigen Thema geworden ist. Die Eurocodes sind demnach eine Antwort auf die Globalisierung. Bei der Normung sind Prof. Sedlacek zufolge die Amerikaner zwar schneller, die Europäer aber gründlicher: „Wir hoffen, dass der Vorsprung der Amerikaner durch die Vorteile der Eurocodes bald eingeholt wird“.

Vielfältige Stahlrohranwendungen im Bausektor
Die zweite Sektion der Tagung behandelte die unter der Bauproduktenrichtlinie zum Einsatz kommenden Rohrprodukte. Dazu gehören warmgefertigte rechteckige und runde Stahlbauholprofile, die als gewichtssparende Elemente immer mehr an Bedeutung gewinnen. Dipl.-Ing. Ole Josat, Product & R+D Manager Industry Division bei Vallourec & Mannesmann Tubes, führte aus, das geschlossene Hohlprofile gegenüber der offenen Variante bei deutlich verringertem Gewicht höhere Lasten aufnehmen können. Die gleichen Vorteile würden auch für warmgefertigte Hohlprofile im Vergleich zu kaltgeformten Profilen gelten. Das neue Wembley-Stadion in London und das Stade de France in Paris sind ebenso mit warmgefertigten Hohlprofilen gebaut wie die Multifunktionsarena in Düsseldorf, die Allianz Arena in München sowie verschiedene Brücken und Messehallen in ganz Deutschland. Dazu kommen weitere architektonisch ambitionierte Projekte wie das 7-Sterne Hotel Burj Al Arab in Dubai, der neue Bangkok International Airport oder die BMW-Welt in München.

Pekka Ritakallio, Leiter der Entwicklung beim finnischen Stahlhersteller Rautaruukki Oy, verwies auf die Vorteile kaltgefertigter Stahlbauhohlprofile, die in nahezu allen geschweißten Stahlkonstruktionen Anwendung finden, also im Gebäude-, Maschinenbau und Anlagenbau. Vorteile beim Einsatz der Stahlbauhohlprofile von Ruukki seien neben der ausgezeichneten Oberflächenausführung und Schweißbarkeit vor allem die guten Materialeigenschaften bei niedrigen Einsatztemperaturen sowie die gute Feuerverzinkungseigenschaften.

Handel und Stahlbau – eine fruchtbare Zusammenarbeit
Der dritte Teil der Tagung behandelte das Thema Verarbeitung der Produkte zu Konstruktionen durch Anarbeitung und Schweißen. Material, Engineering und Anarbeitung aus einer Hand – damit sei der Stahlhandel wichtiger Partner des Stahlbaus, meinten Bernd Hollaender und Jörg Poppitz von der Interfer Rohrunion. Die Argumente für den Einsatz von Stahlrohren sind vielfältig: Mit ihnen sind wegen guter statischer Eigenschaften durch den runden Zuschnitt  filigranere, leichtere Bauweisen möglich. Dazu kommen Vorteile in der Schweißtechnik, beim Korrosionsschutz sowie bei den Reinigungsmöglichkeiten. Hollaender weiter: „Kosten werden durch effizientere und schnellere Fertigstellung im Gesamtobjekt optimiert“.

Die traditionellen Aufgaben des Rohrhandels sind in den letzten Jahren stark erweitert worden. Zu den neuen Herausforderungen gehören die Einschränkung der Sägetoleranzen sowie der Bedarf an Schrägschnitten oder Rohrbeschichtungen im Lohn. Die Weiterentwicklung der Anarbeitungsmöglichkeiten durch Übernahme weiterer Vorfertigungskomponenten gehört ebenfalls dazu. Vorteil für die Stahlbaukunden dabei: Teure Investitionskosten für Spezialmaschinen entfallen. Zunehmend wichtiger wird auch die technische Beratung der Kunden in der Ausführung bis hin zur Optimierung vorliegender Stahlbauprojekte. Dabei gibt es einen Grundsatz, der immer zu berücksichtigen ist: „Der Rohrhandel darf immer nur als Partner und nicht als Wettbewerber bei den Kunden wahrgenommen werden“. Die Vorteile für den Rohrhandel sieht man unter anderem in der Verlängerung der Wertschöpfungskette sowie in einem Alleinstellungsmerkmal gegenüber den Wettbewerbern.

Schweißkonstruktionen in modernen Stahlbauobjekten aus Sicht des Stahlbauers war abschließend Thema von Dirk Lehmann, Leiter Vertrieb und Kalkulation, und Volker Laufenberg, Projektleiter bei der Claus Queck GmbH, Düren und Lendersdorf. Das Unternehmen war an vielen großen Projekten wie dem Formel 1 Kurs in Abu Dhabi, dem Flugzeughangar Halle 7 in Düsseldorf oder der neuen Messehalle 8a in Düsseldorf beteiligt.

Für Rohrkonstruktionen sprechen im Stahlhochbau neben optischen und konstruktiven Vorteilen auch Gewichtsvorteile sowie Preis-/Kostenvorteile. So sind Rundhohlprofile ideale Tragglieder für reine Fachwerkkonstruktionen mit vornehmlich normalkraftbeanspruchten Stäben. Weitere Vorteile: Rohre unterschiedlicher Durchmesser und Wanddicken können direkt  miteinander verschweißt werden und über die Variation der Wanddicken kann eine Gewichtsoptimierung bei gleichbleibender äußerer Struktur erzielt werden. Zudem ermöglicht der Einsatz von räumlichen Fachwerken (z. B. Dreigurtbinder) in Verbindung  mit einem effizienten Materialeinsatz große Spannweiten mit relativ filigranen Rohrkonstruktionen.

Stahlkonstruktionen aus Rundholprofilen ermöglichen außerdem nicht nur ein architektonisch ansprechendes Erscheinungsbild, sondern auch die einfachere Ausbildung von Anschlussdetails mit Auswirkung auf die Fertigungszeit und den Materialeinsatz. Hinzu kommt, dass sich  gegenüber Konstruktionen aus offenen Profilen kleinere Oberflächen (Beschichtungsflächen) ergeben und die Anschlussdetails einfacher zu beschichten sind. Demgegenüber steht der kompliziertere Anschluss von Sekundärkonstruktionen, und ein möglicher Kostennachteil durch höhere Materialpreise im Vergleich zu offenwandigen Profilen.

Eine komplette Übersicht über neue Rohrtechnologien, Rohre und Zubehör zeigt die Internationale Rohrfachmesse Tube 2012, die vom 26. bis 30. März 2012 in den Düsseldorfer Messehallen stattfindet!

Ihr Pressekontakt 2012:
Petra Hartmann-Bresgen
Kathrin Kleophas
Tel.: +49 (0)211/4560-541/-544
Fax: +49 (0)211/4560-87 541/-87 544
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